Werner Krauß
Biografie von Werner Krauß
Werner Krauß war ein deutsch-österreichischer Schauspieler, der als einer der gefeiertsten Bühnen- und Stummfilmdarsteller seiner Epoche galt und wegen seiner Rolle im Nationalsozialismus zugleich bis heute ein Streitfall ist. Er wurde am 23.06.1884 in Gestungshausen bei Coburg geboren, wuchs als Sohn eines Postbeamten in Breslau auf und besuchte dort und im oberschlesischen Kreuzburg die Lehrerausbildung. Weil er nebenbei als Statist am Theater auftrat, brach er diesen Weg ab.
Ohne Schauspielschule begann Krauß 1903 am Stadttheater Guben und spielte danach an Bühnen in Magdeburg, Bromberg, Aachen, Nürnberg und München. Auf Empfehlung von Alexander Moissi holte ihn Max Reinhardt 1913 ans Deutsche Theater Berlin. Dort stieg er rasch zum Star auf und verkörperte Figuren wie Mephisto, Franz Moor, Jago und Shylock. Einer seiner größten Bühnenerfolge war 1931 die Titelfigur in Carl Zuckmayers Schauspiel Der Hauptmann von Köpenick: der Schuster Wilhelm Voigt.
Zum Film kam Krauß 1916 mit Hoffmanns Erzählungen unter der Regie von Richard Oswald, in dem er den Dapertutto spielte. In den folgenden Jahren war er in zahlreichen Melodramen, Krimis und Aufklärungsfilmen meist als finsterer Schurke zu sehen. Den internationalen Durchbruch brachte ihm 1920 Das Cabinet des Dr. Caligari von Robert Wiene, in dem er als Dr. Caligari neben Conrad Veidt auftrat. Weitere bekannte Stummfilme waren Scherben (1921), Othello (1922), in dem er den Jago gab, und Die freudlose Gasse (1925).
Nach 1933 stellte sich Krauß in den Dienst des NS-Regimes. Er war bis 1935 stellvertretender Präsident der Reichstheaterkammer, wurde 1934 zum Staatsschauspieler ernannt und gehörte dem Reichskultursenat an. 1940 spielte er in Veit Harlans antisemitischem Hetzfilm Jud Süß gleich mehrere jüdische Nebenfiguren in klischeehafter Zerrform; auf der Bühne des Wiener Burgtheaters zeichnete er 1943 als Shylock in einer antisemitischen Inszenierung des Kaufmanns von Venedig ein judenfeindliches Zerrbild. 1944 setzte ihn Adolf Hitler auf die Gottbegnadeten-Liste. Nach Kriegsende erhielt er ein zeitweiliges Berufsverbot, wurde 1946 aus Österreich ausgewiesen und im Entnazifizierungsverfahren 1948 als minderbelastet eingestuft. Er verwies darauf, die Rollen so zurückhaltend wie möglich gespielt zu haben, doch Zeitgenossen wie Lion Feuchtwanger hielten ihm vor, die Wirkung seiner Darstellungen gekannt zu haben.
Später kehrte Krauß an das Wiener Burgtheater zurück, dem er von 1948 bis zu seinem Tod angehörte, und erhielt 1954 den Iffland-Ring sowie das Große Bundesverdienstkreuz, dessen Verleihung umstritten war. 1959 wurde ihm noch der Ehrenring der Stadt Wien überreicht. Sein Ehrengrab liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof.
Werner Krauß starb am 20.10.1959 im Alter von 75 Jahren in Wien.
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Filmografie - Filme mit Werner Krauß

Hoffmanns Erzählungen
(1916, Fantasyfilm)